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K2-Blatt: Gesamtzuschlag aus Geschäftsgemeinkosten, Bauzinsen, Wagnis und Gewinn

Stand: 23.09.2026 · Autor: Dipl.-Ing. Dr.techn. Gernot Strasser · Lesezeit ca. 6 Minuten

Das K2-Blatt der ÖNORM B 2061:2020 fasst alle Zuschläge zusammen, die auf die Einzelkosten aufgerechnet werden, um vom Kostenwert zum Preis zu kommen. Das Ergebnis, der Gesamtzuschlag (GZ), wird in Zeile 20 des K3-Blatts und ebenso im K4-Blatt (Material) und K6-Blatt (Gerät) verwendet. Wer den GZ versteht, versteht auch, warum ein Mittellohnpreis von 71 € nur rund 56,57 € Kosten enthält (siehe Mittellohnpreis berechnen).

Die vier Komponenten des Gesamtzuschlags

Komponente Was dahinter steckt Woher der Wert kommt
Geschäftsgemeinkosten (GGK) Verwaltung, Geschäftsführung, Büro, Kalkulation, EDV, Versicherungen, Werbung: alles, was keiner Baustelle direkt zugeordnet wird Kostenrechnung: GGK des Vorjahres im Verhältnis zu den Herstellkosten
Finanzierungskosten der Bauleistung (früher Bauzinsen) Vorfinanzierung der Leistung bis zum Zahlungseingang; abhängig von Abschlagsrechnungen, Zahlungsfristen, Deckungsrücklass, Skonto Projektbezogen aus den Vertragsbedingungen
Wagnis Unternehmens- und Projektrisiken, die nicht einzeln kalkuliert sind: Mengen-, Termin-, Witterungs- und Gewährleistungsrisiko Projektbezogene Einschätzung, bei Regie meist niedriger
Gewinn Angestrebter Unternehmergewinn Marktlage, Auslastung, Strategie

Die GGK sind ein betriebsindividueller Wert und kein Naturgesetz: Was als Gemeinkosten gilt, hängt davon ab, was der Betrieb nicht direkt den Projekten zurechnet. Ein Betrieb, der die Personalverrechnung in die Personalgemeinkosten (K3 Zeile 16) nimmt, hat entsprechend niedrigere GGK.

Aufbau des K2-Blatts

Das Blatt hat je Zuschlagsträger eine Zeile und rechnet spaltenweise von links nach rechts:

Spalte Inhalt
A, B Nummer und Bezeichnung des Zuschlagsträgers (z. B. Lohn, Material, Gerät, Fremdleistung, Regielohn)
C Basis = 100 %
D, E Zuschlag für ... (%-Satz auf C, %-Wert)
F Basis für GGK = C + E
G, H Zuschlag für GGK (%-Satz auf F, %-Wert)
I Basis für Finanzierungskosten = F + H
J, K Zuschlag für Finanzierungskosten (%-Satz auf I, %-Wert)
L Basis für Wagnis und Gewinn = I + K
M, N Wagnis (%-Satz auf L, %-Wert)
O, P Gewinn (%-Satz auf L, %-Wert)
Q Basis + Gesamtzuschlag = L + N + P
R Gesamtzuschlag = Q - 100 %

Spalte D ist ein freies Feld für projektspezifische Hinzurechnungen, dazu unten mehr.

Multiplikation statt Addition

Der entscheidende Punkt: Jeder Zuschlag wird auf die Summe der vorangegangenen Stufe berechnet, nicht auf die ursprüngliche Basis. Wagnis und Gewinn liegen auf derselben Stufe und werden beide auf L bezogen.

Beispiel: GGK 15 %, Finanzierungskosten 2 %, Wagnis 3 %, Gewinn 4 %.

  • Addition (falsch): 15 + 2 + 3 + 4 = 24,00 %
  • K2-Rechenweg: 100 x 1,15 = 115,00; x 1,02 = 117,30; 117,30 x (3 % + 4 %) = 8,21; Summe 125,51; GZ = 25,51 %

Der Unterschied von 1,5 Prozentpunkten wirkt klein, entspricht aber bei 56,57 € Mittellohnkosten rund 0,85 € pro Stunde. Wer im K2-Blatt addiert, weist einen anderen Wert aus, als sich aus den Spalten ergibt, und genau das ist ein typischer Prüfbefund.

Umgekehrt lässt sich aus einem gegebenen GZ nicht eindeutig auf die Komponenten schließen. 25,51 % entstehen aus 15/2/3/4; aus 17,5/1,5/2/3 ergeben sich 25,23 %, also fast derselbe Wert bei völlig anderer Zusammensetzung. Bei der Aufklärung will die Vergabestelle deshalb das K2-Blatt selbst sehen, nicht nur das Ergebnis.

Zuschlagsträger: ein GZ oder mehrere?

Die ÖNORM lässt beides zu. Ein einheitlicher GZ für alle Kostenarten ist einfach und in kleineren Betrieben üblich. Getrennte Zuschlagsträger sind sachgerechter, wenn die Kostenarten unterschiedlich viel Gemeinkosten und Risiko tragen:

  • Lohn: volle GGK, weil Personal den Verwaltungsaufwand treibt
  • Material und Fremdleistung: häufig niedrigere GGK, weil Durchlaufposten; Beispiel: GGK 8 % statt 15 % ergibt bei sonst gleichen Werten 100 x 1,08 x 1,02 x 1,07 = 117,87, also GZ 17,87 %
  • Regielohn: eigener Zuschlagsträger mit reduziertem Wagnis, weil das Mengen- und Leistungsrisiko beim Auftraggeber liegt

Im K3-Blatt kann zusätzlich zwischen Spalte A (Umlagen) und Spalte B (Personalkosten) unterschieden werden: Zeile 20 nimmt für A18 und B18 getrennte Prozentsätze auf.

Spalte D: Zuschlag für projektspezifische Hinzurechnungen

Spalte D ist der Ort für alles, was projektbezogen auf die Herstellkosten aufgeschlagen werden muss und nicht in eine LV-Position passt:

  • Baustellengemeinkosten, wenn das Leistungsverzeichnis keine eigene Position dafür vorsieht (Umlage nur dann zulässig)
  • Planungs- und Dokumentationskosten, wenn sie Vertragsbestandteil sind, aber nicht ausgeschrieben
  • Vertragliche Abzüge wie Bauschaden, Baureinigung, Bautafel, Versicherung
  • Festpreiszuschlag bei Festpreisvereinbarungen
  • Skonto, alternativ als Erhöhung der Finanzierungskosten

Wichtig ist die Umrechnung von Abzügen in Aufschläge. Ein Abzug von 2 % vom Rechnungsbetrag wird nicht mit 2 % aufgeschlagen, sondern mit 2 / (1 - 0,02) = 2,04 %. Bei 3 % Skonto sind es 3,09 %. Mehrere Hinzurechnungen in Spalte D werden wieder multiplikativ verknüpft; dafür bietet sich ein Hilfsblatt (K2a) an, das nicht Teil der ÖNORM ist.

Beispiel mit BGK-Umlage: Baustellengemeinkosten von 73.000 € auf Einzelkosten von 800.000 € ergeben 9,1 %. Mit dem GZ von oben: 100 x 1,091 x 1,15 x 1,02 x 1,07 = 136,93, also GZ 36,93 % statt 25,51 %. Ein Mittellohnpreis mit BGK-Umlage sieht damit auf den ersten Blick hoch aus, ist aber sachlich begründet und muss so erklärt werden.

Umlagen: K2-Blatt oder K3-Zeile 17?

Für dieselbe Umlage gibt es zwei Wege, und beide sind normkonform:

Weg Wirkung Geeignet für
K3-Blatt Zeile 17 (Spalte A) Umlage in €/Std nur auf die produktiven Stunden dieser Lohnart Bauleitungskosten, Fertigungsgemeinkosten der Werkstatt, personelle BGK
K2-Blatt Spalte D Umlage in % auf alle Kostenarten des Zuschlagsträgers BGK gesamt, Planungskosten, Abzüge, Festpreiszuschlag

Der Unterschied zeigt sich bei lohnintensiven gegenüber materialintensiven Positionen: Eine Umlage über Zeile 17 verteuert nur die Stunde, eine Umlage über Spalte D auch das Material. Welcher Weg dem Kostenverursachungsprinzip besser entspricht, ist projektabhängig. Beide dürfen nicht kombiniert werden, sonst wird derselbe Betrag doppelt verrechnet.

Anwendung im K3-Blatt

Der ermittelte GZ wird in K3 Zeile 20 eingetragen und auf B18 (Personalkosten) und, falls vorhanden, auf A18 (Umlagen) angewendet:

  • B18 = 56,57 €; GZ 25,51 %; B20 = 14,43 €; B21 = 71,00 €
  • A18 = 3,00 €/Std Umlage Bauleitung; GZ 25,51 %; A20 = 0,77 €; A21 = 3,77 €
  • Personalpreis gesamt (Zeile 22) = 74,77 €/Std

Bei der Kostenkalkulation (ohne GZ) wird dagegen Zeile 19 in das K7-Blatt übernommen und der GZ erst dort aufgerechnet. Beides führt zum selben Preis; das K3-Blatt muss nur eindeutig ausweisen, welcher Wert übertragen wurde.

Was Vergabestellen am K2-Blatt prüfen

  • Stimmt der GZ in K2 mit dem Wert in K3 Zeile 20 und im K4-Blatt überein?
  • Ergibt sich der GZ rechnerisch aus den Spalten, oder wurde addiert?
  • Sind Umlagen in Spalte D erklärt, und gibt es dafür wirklich keine LV-Position?
  • Ist der Wagnisansatz bei Regie niedriger als beim Leistungslohn, und warum nicht, falls gleich?
  • Sind GGK, Wagnis und Gewinn im Rahmen des Marktüblichen? Hier besteht der größte Erklärungsspielraum, ein GGK-Satz von 3 % oder 35 % wird aber hinterfragt.

Weiter mit dem Tool

  • K3-Blatt kalkulieren: Der Gesamtzuschlag wird getrennt für Umlagen (A18) und Personalkosten (B18) eingegeben; die Zeilen 20 bis 22 werden automatisch berechnet. Preis: € 24,90 je K3-Blatt zzgl. USt.
  • K3-Blatt prüfen (Quick-Check): K3-Blätter kostenlos auf Rechenfehler und Plausibilität prüfen, inklusive Gesamtzuschlag in den Zeilen 18 bis 22.