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Regiepreis und Regiestundensatz im K3-Blatt

Stand: 23.09.2026 · Autor: Dipl.-Ing. Dr.techn. Gernot Strasser · Lesezeit ca. 6 Minuten

Regieleistungen werden nach Zeitaufwand abgerechnet: Der Auftraggeber zahlt die tatsächlich geleisteten Stunden zum vereinbarten Regielohnpreis. Damit trägt er das Mengen- und Leistungsrisiko, und genau deshalb gelten für die Kalkulation andere Spielregeln als beim Mittellohnpreis. Wie Regiestunden verrechnet werden, legt der konkrete Vertrag fest; häufig, aber nicht immer, ist dafür die ÖNORM B 2110 vereinbart. Die Preisermittlung erfolgt im K3-Blatt der ÖNORM B 2061 mit angekreuzter Leistungsart "Regie".

Mittellohnpreis und Regielohnpreis im Vergleich

Merkmal Mittellohnpreis Regielohnpreis
Bezug Durchschnitt der ganzen Partie meist eine Beschäftigungsgruppe je Blatt
Unproduktive Zeiten (Zeile 4) projektbezogen angesetzt in der Regel 0; bei angehängter Regie begründbar
Zulagen (Zeile 7) nach KV kalkuliert meist 0; werden dann bei Anfall gesondert verrechnet
Arbeitszeitzuschläge (Zeile 8) nach kalkulierter Wochenarbeitszeit meist 0 (Normalarbeitszeit); Überstunden werden dann gesondert verrechnet
Aufwandsentschädigungen (Zeilen 9, 11) ja ja, in der Regel übernommen
DPNK, UPNK, PGK wie Kostenrechnung wie Mittellohnpreiskalkulation
Gesamtzuschlag laut K2 laut K2, oft eigener Zuschlagsträger mit reduziertem Wagnis

Die wichtigste Regel: Der Regielohnpreis ist keine eigenständige Kalkulation. Er wird aus derselben Grundlage abgeleitet wie der Mittellohnpreis, und Abweichungen zwischen beiden Blättern müssen erklärbar sein. Bei einer vertieften Angebotsprüfung werden K3-Regie und K3-Mittellohnpreis nebeneinander gelegt.

Was meist nicht hineingehört

Üblicherweise wird der Regiepreis für Arbeit in der Normalarbeitszeit und ohne Erschwernisse ermittelt; so sieht es etwa die ÖNORM B 2110 vor, wenn sie Vertragsbestandteil ist. Fallen bei der Ausführung tatsächlich Überstunden, Nacht- oder Sonntagsarbeit oder zulagenpflichtige Tätigkeiten an, werden sie zusätzlich zum Regiestundensatz nach den Regeln des Kollektivvertrags verrechnet. Wer sie in diesem Fall trotzdem in den Regiepreis einrechnet, verrechnet sie im Zweifel doppelt, und die Vergabestelle wird den Ansatz hinterfragen.

Maßgeblich ist immer der konkrete Vertrag. Manche Ausschreibungen verlangen ausdrücklich Regiepreise inklusive aller Zulagen oder getrennte Regiesätze für Normalstunden und Überstunden. Dann gilt die Ausschreibung, und das K3-Blatt muss die zugrunde gelegte Annahme ausweisen.

Was hineingehört

  • Das KV-Entgelt der konkreten Beschäftigungsgruppe, nicht der Partiedurchschnitt. Für jeden im Leistungsverzeichnis ausgeschriebenen Regielohn (Facharbeiter, Hilfsarbeiter, Vorarbeiter) braucht es ein eigenes Blatt.
  • Die betriebsübliche Überzahlung. Gruppenspezifische Werte sind hier genauer als der Partiedurchschnitt, weil sie sich beim Einzelblatt stärker auswirken.
  • Aufwandsentschädigungen wie Taggeld, Wegzeit und im Metall-KV die Montagezulage. Letztere zählt zu den Aufwandsentschädigungen, nicht zu den Erschwerniszulagen, und bleibt deshalb im Regiepreis.
  • DPNK, UPNK und weitere PNK in derselben Höhe wie in der Mittellohnpreiskalkulation; die UPNK werden bei Normalarbeitszeit nur um den Mehrlohnfaktor abgemindert.
  • Personalgemeinkosten. Achtung bei Euro-Ansätzen: Ein Prozentsatz auf B15 ergibt beim Regieblatt einen anderen Eurobetrag als beim Mittellohnpreis, ein fixer Eurobetrag bleibt gleich.
  • Der Gesamtzuschlag. Ein eigener Zuschlagsträger "Regielohn" im K2-Blatt ist zulässig und sinnvoll, weil das Wagnis bei Regie geringer ist.

Mehrarbeitsstunden bei Regie

Wird in Regie über die Normalarbeitszeit hinaus gearbeitet, entstehen dem Auftragnehmer Überstundenzuschläge. Drei Wege sind üblich:

  1. Getrennte Verrechnung: Regiestundensatz für Normalstunden, Überstundenzuschlag laut KV als eigener Posten. Das ist der häufigste Fall.
  2. Eigener Regiesatz für Überstunden: Ein zweites K3-Regieblatt mit dem Zuschlag in Zeile 8, wenn die Ausschreibung das so vorsieht.
  3. Eingerechnet: Nur zulässig, wenn vertraglich vereinbart; sonst fehlt die Vergleichbarkeit der Angebote.

Zu beachten ist, dass die Bemessungsbasis des Überstundenzuschlags kollektivvertraglich festgelegt ist: im Bau-KV der um 20 % erhöhte KV-Lohn, im Metall-KV der um rund 17 % erhöhte Lohn.

Regiepartie: angehängte Regie und Produktivität

Bei angehängten Regieleistungen wird eine Person aus der laufenden Partie herausgenommen. Das kostet Produktivität in der Restpartie, und der Regiearbeiter hat zusätzlich Regieberichte zu schreiben. Ein moderater Ansatz für unproduktive Zeiten in Zeile 4 des Regieblatts ist deshalb begründbar, etwa 3 bis 8 %. Er darf aber nicht die betrieblichen Ausfallzeiten doppelt erfassen, die schon in den UPNK stecken. Bei reinen Regieaufträgen mit eigener Partie ist Zeile 4 in der Regel 0.

Für einen Regiepolier oder Regievorarbeiter gilt: Sein Zuschlag für Aufsicht ist eine Zulage nach KV und gehört üblicherweise nicht in den Regiepreis, sofern der Vertrag nichts anderes vorsieht. Wird er ausgeschrieben, ist er in der Regel als eigene Regieposition mit eigener Beschäftigungsgruppe und eigenem Blatt darzustellen.

Beispiel: Facharbeiter LG 3, Metall-KV 2026

Ausgangsdaten: KV Eisen- und Metallverarbeitende Gewerbe 2026, Facharbeiter LG 3 mit 17,66 €/Std, Normalarbeitszeit 38,5 Std, Betrieb ohne BUAG in der Steiermark, Montage auswärts mit Montagezulage 1,155 €/Std und Entfernungszulage 11,94 €/Tag (abgabefrei). Gesamtzuschlag 25,51 %.

Zeile Bezeichnung Regielohnpreis Mittellohnpreis (Vergleich)
3 KV-Entgelt LG 3 17,66 € 17,66 €
4 Unproduktive Zeiten 0 % / 0,00 € 5 % / 0,88 €
5 KV-Entgelt inkl. unprod. Zeiten 17,66 € 18,54 €
6 Überzahlung 10 % auf B5 1,77 € 1,85 €
7 Zulagen (Gefahrenzulage 50 % der Zeit) 0,00 € 0,37 €
8 Arbeitszeitzuschläge (1,5 ÜStd/Wo) 0,00 € 0,39 €
9 Montagezulage abgabepflichtig 1,16 € 1,21 €
10 Abgabepflichtige Personalkosten 20,59 € 22,36 €
11 Entfernungszulage abgabefrei 1,55 € 1,57 €
12 DPNK 29,55 % 6,08 € 6,61 €
13 UPNK angepasst 62,6 % / 12,90 € 61,0 % / 13,64 €
15 Personalkosten vor Zurechnungen 41,12 € 44,18 €
16 PGK 10 % 4,11 € 4,42 €
18 Kosten 45,23 € 48,60 €
20 GZ 25,51 % 11,54 € 12,40 €
22 Preis je Stunde 56,77 € 61,00 €

Die UPNK-Anpassung erklärt sich so: Musterwert ohne BUAG 66,55 % (UPNK0 39,01 %, UPNK3 27,54 %). Beim Regieblatt ist der Mehrarbeitsfaktor 1,0 und der Mehrlohnfaktor 17,66 / 20,59 = 0,858, also 39,01 + 27,54 x 0,858 = 62,6 %. Beim Mittellohnpreis kommt der Mehrarbeitsfaktor 38,5 / 40 = 0,9625 hinzu.

Der Regielohnpreis liegt im Beispiel rund 7 % unter dem Mittellohnpreis derselben Lohngruppe. Das ist die typische Größenordnung, wenn Zulagen, Überstunden und unproduktive Zeiten entfallen. Ein Regiepreis, der über dem Mittellohnpreis liegt, ist nicht automatisch falsch (etwa bei angehängter Regie mit Produktivitätsverlust oder einem eigenen GZ), muss aber begründet werden.

Preisstrategie innerhalb der Regeln

Spielraum besteht an drei Stellen: beim Ansatz unproduktiver Zeiten für angehängte Regie, bei den Personalgemeinkosten (Euro- statt Prozentansatz) und beim eigenen Zuschlagsträger im K2-Blatt. Alles andere ist durch den KV oder die Mittellohnpreiskalkulation vorgegeben. Wer Regiepreise strategisch niedrig anbietet, sollte sicher sein, dass Regie im Projekt eine untergeordnete Rolle spielt.

Weiter mit dem Tool

  • K3-Blatt kalkulieren: Leistungsart Regie wählen und die Beschäftigungsgruppe festlegen; Zulagen und Arbeitszeitzuschläge lassen sich gezielt auf 0 setzen, die übrigen Werte entsprechen der Mittellohnpreiskalkulation. Preis: € 24,90 je K3-Blatt zzgl. USt.
  • K3-Blatt prüfen (Quick-Check): K3-Blätter kostenlos auf Rechenfehler und Plausibilität der eingetragenen KV-Werte prüfen, auch Regieblätter.