Was ist ein K3-Blatt? Aufbau nach ÖNORM B 2061:2020
Das K3-Blatt ist das Formblatt der ÖNORM B 2061:2020 für die Personalpreisermittlung. Es zeigt, wie aus dem kollektivvertraglichen Stundenlohn Schritt für Schritt der Mittellohnpreis oder der Regiepreis entsteht. Wer ein Angebot kalkuliert, verwendet das Ergebnis in der Detailkalkulation (K7-Blatt); wer ein Angebot prüft, liest am K3-Blatt ab, ob die Personalkosten betriebswirtschaftlich erklärbar sind.
Wozu dient das K3-Blatt?
Die ÖNORM B 2061 kennt mehrere K-Blätter: K2 für den Gesamtzuschlag, K3 für Personalpreise, K4 für Materialpreise, K6 für Gerätepreise und K7 für die Preisermittlung der einzelnen Positionen. Das K3-Blatt ist dabei das mit Abstand meistgeprüfte Formblatt, weil der Lohnanteil in fast jeder Bauleistung den größten Kostenblock bildet.
Konkret erfüllt das Blatt drei Aufgaben:
- Kalkulationsgrundlage: Der ermittelte Personalpreis wird unverändert in das K7-Blatt übernommen.
- Nachweis gegenüber dem Auftraggeber: Bei Vergaben nach dem BVergG wird das K3-Blatt häufig mit dem Angebot verlangt. Fehlt es oder ist es unvollständig, kann das je nach Ausschreibungsbestimmungen zum Ausscheiden des Angebots führen.
- Grundlage für Nachträge: Bei Mehrkostenforderungen lassen sich fixe und variable Personalkostenanteile aus dem Blatt ableiten.
Der Blattkopf: Kostenart und Leistungsart
Im Kopf des K3-Blatts stehen Projekt, Unternehmen, Geschäftszahlen, der angewendete Kollektivvertrag samt Gültigkeitsdatum und das Erstellungsdatum. Zwei Ankreuzfelder legen fest, was das Blatt abbildet:
| Merkmal | Optionen | Bedeutung |
|---|---|---|
| Kostenart | Lohn oder Gehalt | Arbeiter-KV oder Angestellten-KV; beide dürfen nicht in einem Blatt gemischt werden |
| Leistungsart | Montage, Vorfertigung oder Regie | Baustelle, Werkstatt oder Regieleistung |
Je nach Kombination heißt das Ergebnis Mittellohnpreis, Mittelgehaltspreis, Regielohnpreis oder Regiegehaltspreis. Werden mehrere Lohnarten kalkuliert (etwa Erdbau und Betonarbeiten mit unterschiedlicher Partie), braucht jede ein eigenes Blatt mit eigener Bezeichnung.
Spalte A und Spalte B
Das Formblatt hat zwei Wertspalten. Spalte B führt die eigentlichen Personalkosten von Zeile 1 bis Zeile 22. Spalte A nimmt nur Umlagen auf (Zeile 17a bis 17d) und führt sie getrennt bis zur Preissumme. Der Grund: Auf Umlagen kann ein anderer Gesamtzuschlag angewendet werden als auf die Personalkosten, und die Trennung bleibt bis zum Ende sichtbar.
Die Zeilen 1 bis 22 im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt, was in jede Zeile gehört und worauf sich ein Prozentsatz bezieht. Die Bezugsbasis ist der häufigste Fehlerpunkt beim Ausfüllen.
| Zeile | Inhalt | Eingabe | Prozentbasis |
|---|---|---|---|
| 1a-1j | Beschäftigungsgruppen, KV-Entgelt, Anteil an der Partie; daneben Mehrarbeit/Überstunden mit Zuschlag und Stunden | € und % | - |
| 2 | Gewichtetes KV-Entgelt (100 %), kalkulierte Wochenarbeitszeit | Std/Wo | - |
| 3 | Gewichtetes kollektivvertragliches Entgelt | € | Ergebnis aus Zeile 1 |
| 4 | Umlage unproduktiver Zeiten (dispositive Tätigkeit, Leerzeiten) | % | auf B3 |
| 5 | KV-Entgelt einschließlich Zeile 4 | € | Summe B3 + B4 |
| 6 | Außerkollektivvertragliches Entgelt (Überzahlung) | % oder € | auf B5 |
| 7 | Zulagen, z. B. Erschwernis, Vorarbeiter | % oder € | auf B5 |
| 8 | Arbeitszeitzuschläge, z. B. Überstunden | % oder € | auf B5 |
| 9 | Abgabepflichtige Aufwandsentschädigungen, z. B. Wegzeit, Montagezulage | € | - |
| 10 | Abgabepflichtige Personalkosten | € | Summe B5 bis B9 |
| 11 | Nicht abgabepflichtige Personalkosten, z. B. Taggeld | € | - |
| 12 | Direkte Personalnebenkosten (DPNK) | % | auf B10 |
| 13 | Umgelegte Personalnebenkosten (UPNK) | % | auf B10 |
| 14 | Weitere Personalnebenkosten, z. B. Wiener U-Bahn-Steuer | € (oder % auf B10) | - |
| 15 | Personalkosten vor Zurechnungen | € | Summe B10 bis B14 |
| 16 | Personalgemeinkosten (PGK) | % | auf B15 |
| 17a-17d | Umlagen von Kosten, in Spalte A | €/Std | - |
| 18 | Kosten: A18 = Summe 17a-17d, B18 = B15 + B16 | € | - |
| 19 | Personalkosten gesamt = A18 + B18 (Mittellohnkosten) | € | - |
| 20 | Gesamtzuschlag laut K2-Blatt | % | auf A18 bzw. B18, getrennt |
| 21 | Preise: A18 + A20 und B18 + B20 | € | - |
| 22 | Personalpreis gesamt = A21 + B21 (Mittellohnpreis) | € | - |
Drei Punkte sind für die Praxis besonders wichtig:
- Zeile 4 bezieht sich auf B3, Zeilen 6 bis 8 auf B5. Wer die Überzahlung auf das reine KV-Entgelt statt auf B5 bezieht, kommt zu einem anderen Eurobetrag als das Formblatt ausweist.
- Zeilen 12 bis 14 beziehen sich auf B10, also nur auf die abgabepflichtigen Bestandteile. Das abgabefreie Taggeld in Zeile 11 bleibt ohne Nebenkosten.
- Zeile 16 bezieht sich auf B15, also inklusive aller Nebenkosten. Der Prozentsatz der PGK wirkt damit auf eine deutlich größere Basis als der der DPNK.
Kostenart Lohn oder Gehalt
Personalkosten von Arbeitern gehören zum Preisanteil Lohn. Für Angestellte (etwa Bauleitung oder Techniker) gilt ein anderer Kollektivvertrag mit anderen Nebenkosten; ihre Kosten werden entweder in einem eigenen Gehalts-K3-Blatt, als Umlage in Zeile 17 oder im K2-Blatt als Bestandteil des Gesamtzuschlags erfasst. In Zeile 4 haben sie nichts verloren, weil dort nur Personal desselben KV umgelegt werden darf.
Leistungsart Montage, Vorfertigung, Regie
- Montage ist der Normalfall der Baustellenarbeit: Taggelder, Wegzeiten, Montagezulagen und Erschwernisse fallen an.
- Vorfertigung bildet die Arbeit in der Werkstatt ab. Dienstreisevergütungen entfallen, dafür kommen häufig Fertigungsgemeinkosten als Umlage in Zeile 17 hinzu.
- Regie: meist ohne Zulagen und ohne Arbeitszeitzuschläge, aber mit Aufwandsentschädigungen. Wie Regiestunden verrechnet werden, hängt immer vom konkreten Vertrag ab. Details dazu unter Regiepreis und Regiestundensatz.
Rolle bei der vertieften Angebotsprüfung
Nach dem BVergG prüft die Vergabestelle, ob die Preise betriebswirtschaftlich erklärbar sind. Das K3-Blatt ist dabei das zentrale Dokument. Einige Werte kann der Auftraggeber punktgenau prüfen: KV-Löhne, KV-Datum, Wochenarbeitszeit und DPNK. Andere Werte lassen sich in einer Bandbreite plausibilisieren: unproduktive Zeiten, Überzahlung, UPNK, Arbeitszeitzuschläge im Verhältnis zur angegebenen Wochenarbeitszeit. Bei PGK, Geschäftsgemeinkosten, Wagnis und Gewinn besteht der größte Erklärungsspielraum.
Das bedeutet umgekehrt: Ein KV-Lohn aus dem Vorjahr, ein DPNK-Satz mit Kommafehler oder ein Arbeitszeitzuschlag bei 39 Stunden kalkulierter Wochenarbeitszeit fällt sofort auf und kann zum Ausscheiden führen, auch wenn der Mittellohnpreis insgesamt auskömmlich ist. Was Vergabestellen konkret fragen, ist unter K3-Blatt prüfen zusammengefasst.
Kleines Zahlenbeispiel
Ein Facharbeiter LG 3 nach dem KV Eisen- und Metallverarbeitende Gewerbe 2026 hat ein KV-Entgelt von 17,66 €/Std. Mit 5 % unproduktiven Zeiten (Zeile 4: 0,88 €) ergibt sich B5 = 18,54 €. Eine Überzahlung von 10 % in Zeile 6 wird auf diese 18,54 € bezogen und ergibt 1,85 € und nicht 1,77 €, wie es bei Bezug auf das reine KV-Entgelt wäre. Der Unterschied ist klein, aber genau solche Abweichungen fallen bei einer rechnerischen Prüfung auf. Der vollständige Rechenweg bis zum Mittellohnpreis ist unter Mittellohnpreis berechnen beschrieben.
Weiter mit dem Tool
- K3-Blatt kalkulieren: Partie zusammenstellen, KV-Daten 2026 auswählen, alle Zeilen automatisch befüllen und als PDF exportieren. Preis: € 24,90 je K3-Blatt zzgl. USt.
- K3-Blatt prüfen (Quick-Check): K3-Blätter kostenlos auf Rechenfehler und Plausibilität prüfen.
Eine leere Excel-Vorlage nach ÖNORM B 2061 finden Sie kostenlos auf der Startseite.