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K3-Blatt prüfen: häufige Fehler und Plausibilitätsgrenzen

Stand: 23.09.2026 · Autor: Dipl.-Ing. Dr.techn. Gernot Strasser · Lesezeit ca. 6 Minuten

Ein K3-Blatt wird von zwei Seiten geprüft: vom Bieter vor der Abgabe und von der Vergabestelle bei der vertieften Angebotsprüfung nach dem BVergG. Beide stellen dieselben Fragen. Diese Seite fasst zusammen, welche Fehler in der Praxis immer wieder auftreten, in welchen Bandbreiten sich Werte bewegen dürfen und was bei der Aufklärung verlangt wird. Den Aufbau der Zeilen erklärt Was ist ein K3-Blatt?.

Formale Fehler, die zum Ausscheiden führen

Ein fehlendes oder unvollständiges K3-Blatt kann je nach Ausschreibungsbestimmungen zum Ausscheiden des Angebots führen; ob ein Mangel behebbar ist, hängt vom Einzelfall ab. Folgende Punkte sind vor der Abgabe zu prüfen:

  • Ein Blatt je Personalpreis. Jeder im K7-Blatt verwendete Mittellohn-, Mittelgehalts- und Regielohnpreis braucht ein eigenes K3-Blatt, wenn die Ausschreibung K3-Blätter verlangt.
  • KV und KV-Datum stimmen. Maßgeblich ist die KV-Fassung zum Ende der Angebotsfrist. Löhne aus der Vorjahresfassung gelten als kalkulatorisches Lohndumping, auch wenn der Preis insgesamt auskömmlich ist.
  • Erstellungsdatum vor Ende der Angebotsfrist.
  • Kostenart und Leistungsart angekreuzt. Arbeiter- und Angestellten-KV nicht in einem Blatt mischen.
  • Übereinstimmung mit den anderen K-Blättern. GZ in K2 = K3 Zeile 20 = K4; Personalpreis in K3 Zeile 22 = Wert im K7-Blatt. Redundante Angaben müssen deckungsgleich sein.
  • Rechenfehler. Summenzeilen 5, 10, 15, 18, 19, 21, 22 und die Prozentbasen (Zeile 4 auf B3, Zeilen 6 bis 8 auf B5, Zeilen 12 bis 14 auf B10, Zeile 16 auf B15).

Inhaltliche Fehler aus der Praxis

Fehler Warum er auffällt
Überstunden in Zeile 8 bei 39 bzw. 38,5 Stunden in Zeile 2 Arbeitszeitzuschläge ohne Mehrarbeit sind rechnerisch nicht möglich
Kalkulierte Wochenarbeitszeit 40 Stunden, aber Zeile 8 = 0 Umgekehrter Fall: Mehrarbeit ohne Zuschlag verstößt gegen den KV
DPNK mit Kommafehler oder Vorjahreswert DPNK sind punktgenau prüfbar
DPNK ohne Wiener Aufschlag bei Betriebssitz Wien 0,25 Prozentpunkte Wohnbauförderung fehlen
UPNK aus der Musterrechnung ohne Abminderung bei Überstunden und Überzahlung Fixe BUAK-Beträge werden mit dem Mehrlohn mitgerechnet
Großes Taggeld ungeteilt in Zeile 11 Nur 30 €/Tag sind abgabefrei; der Rest gehört in Zeile 9
Bauleitung (Angestellte) in Zeile 4 umgelegt Anderer KV; zulässig nur über Zeile 17 oder K2 Spalte D
Zulagen oder Überstunden im Regielohnpreis, obwohl der Vertrag sie gesondert vergütet Doppelte Verrechnung; ob sie in den Regiepreis gehören, legt der Vertrag fest
Umlage von Baustellengemeinkosten trotz eigener LV-Position Kosten sind der Position zuzuweisen, nicht umzulegen
GZ addiert statt stufenweise aufgerechnet K2-Spalten ergeben einen anderen Wert als eingetragen
Wiener U-Bahn-Steuer nicht ausgewiesen Wird von Wiener Auftraggebern gezielt abgefragt

Ampel: Was punktgenau prüfbar ist und wo Spielraum besteht

Vergabestellen prüfen nicht alle Zeilen gleich streng. Die Einteilung hilft, den eigenen Aufwand richtig zu verteilen:

Rot: exakt prüfbar, keine Toleranz

  • KV-Bezeichnung, KV-Datum, KV-Löhne je Gruppe (Zeile 1)
  • KV-Wochenarbeitszeit und kalkulierte Wochenarbeitszeit (Zeile 2)
  • DPNK (Zeile 12), inklusive Bundeslandunterschied
  • Zusammenhang zwischen Zeile 2 und Zeile 8
  • Alle Summen und Prozentbasen

Gelb: Bandbreite, leicht rückrechenbar

  • Unproduktive Zeiten (Zeile 4)
  • Überzahlung (Zeile 6)
  • Zulagen im Verhältnis zur ausgeschriebenen Leistung (Zeile 7)
  • Aufwandsentschädigungen im Verhältnis zu Entfernung und Bauzeit (Zeilen 9, 11)
  • UPNK (Zeile 13)

Grün: großer Erklärungsspielraum

  • Personalgemeinkosten (Zeile 16)
  • Geschäftsgemeinkosten, Wagnis und Gewinn (K2-Blatt)
  • Umlagen, sofern sachlich begründet (Zeile 17, K2 Spalte D)

Plausibilitätsbereiche 2026

Die folgenden Bandbreiten sind Orientierungswerte aus Musterrechnungen und Prüfpraxis. Werte außerhalb sind nicht automatisch falsch, lösen aber Nachfragen aus.

Zeile Kennwert Üblicher Bereich Auffällig ab
4 Unproduktive Zeiten auf B3 0 bis 10 % über 15 % ohne Projektbegründung (Gleissperre, Fließverkehr)
6 Überzahlung auf B5 3 bis 15 % 0 % (Marktferne) oder über 25 %
7 Zulagen auf B5 0 bis 8 % je nach Gewerk über 10 % ohne erkennbare Erschwernis; Werte über 0 bei Regie, wenn der Vertrag Zulagen gesondert vergütet
8 Arbeitszeitzuschläge rechnerisch aus Zeile 2 jede Abweichung vom Rechenwert
12 DPNK Bau (BUAG) 28,69 bis 28,78 %, Wien 28,99 % jede Abweichung
12 DPNK Metall, Tischler, Maler ohne BUAG 29,52 bis 29,61 %, Wien 29,82 % jede Abweichung
13 UPNK BUAG-Betriebe 80 bis 96 % unter 75 % oder über 100 %
13 UPNK ohne BUAG 60 bis 70 % unter 55 % oder über 80 %
16 PGK auf B15 5 bis 15 % unter 3 % (Kleinmaterial und Werkzeug nicht gedeckt) oder über 20 %
20 Gesamtzuschlag 15 bis 35 % unter 10 % oder über 40 % ohne Umlagen in Spalte D
22 Faktor Mittellohnpreis zu KV-Entgelt 3,2 bis 3,9 unter 3,0

Zwei Hinweise zu den UPNK: Innerhalb einer Branche verschiebt sich der Wert mit Überstunden und Überzahlung nach unten. Ein Baubetrieb mit 40 Stunden und 10 % Mehrentgelt liegt sachgerecht bei rund 87 % statt 95 %. Details unter Personalnebenkosten. Und: Der Vergleich zwischen Bietern ist nur innerhalb desselben Kollektivvertrags aussagekräftig.

Was die Vergabestelle bei der Aufklärung fragt

Bei einer vertieften Angebotsprüfung nach BVergG wird der Bieter zur schriftlichen Aufklärung aufgefordert. Typische Fragen:

  1. Wie setzt sich die Partie zusammen, und warum entspricht sie der ausgeschriebenen Leistung?
  2. Auf welcher KV-Fassung beruhen die Löhne, und wie wurde die Überzahlung ermittelt (Nachweis aus der Lohnverrechnung)?
  3. Wie sind die unproduktiven Zeiten begründet, und sind sie nicht bereits in den Aufwandswerten des K7-Blatts enthalten?
  4. Welche Zulagen fallen laut Leistungsbeschreibung an, und wo sind sie erfasst?
  5. Wie wurden die UPNK berechnet: Ausfalltage, Sonderzahlungen, BUAG-Sachbereiche?
  6. Wo und in welcher Höhe sind Kleinmaterial, Handwerkzeug, Kleingeräte und Kleingerüste enthalten? Ein PGK-Ansatz von zumindest 5 bis 7 % erleichtert diese Antwort erheblich.
  7. Wo sind Baustellengemeinkosten, Bauleitung und Mannschaftstransport erfasst, und warum dort?
  8. Wie ergibt sich der Gesamtzuschlag aus dem K2-Blatt, und gilt er für alle Kostenarten?
  9. Bei Wien: Wo ist die U-Bahn-Steuer berücksichtigt?
  10. Wie hängt der Regielohnpreis mit dem Mittellohnpreis zusammen?

Die Antworten müssen sich aus dem K3-Blatt und den betrieblichen Unterlagen ableiten lassen. Nachträglich geänderte Werte sind unzulässig; erklärt werden darf nur, was bereits im Blatt steht.

Prüfliste vor der Abgabe

  • KV-Fassung und Datum gegen das Ende der Angebotsfrist geprüft
  • Zeile 2 und Zeile 8 konsistent
  • DPNK für das richtige Bundesland
  • UPNK mit MAF und MLF abgemindert, wenn Überstunden oder Überzahlung angesetzt sind
  • Taggeld in abgabefrei und abgabepflichtig getrennt
  • Regieblätter ohne Zulagen und ohne Arbeitszeitzuschläge, sofern die Ausschreibung nichts anderes verlangt
  • GZ in K2, K3 und K4 identisch, K3 Zeile 22 mit K7 identisch
  • Umlagen nur, wo das LV keine Position bietet
  • Alle Summen nachgerechnet

Wie der Quick-Check hilft

Der Quick-Check liest ein K3-Blatt ein und führt die oben beschriebene Prüfung automatisch durch: Er rechnet alle Summen und Prozentbasen nach, vergleicht DPNK und UPNK mit den Referenzwerten des jeweiligen Kollektivvertrags und Bundeslands, prüft die Konsistenz von Wochenarbeitszeit und Arbeitszeitzuschlägen, bewertet Überzahlung, Zulagen und Aufwandsentschädigungen anhand der KV-Werte 2026. Jeder Prüfschritt wird als plausibel, auffällig oder sehr auffällig eingestuft und mit einer Begründung versehen, die sich direkt für die Aufklärung oder für die Rückfrage an den Bieter verwenden lässt.

Weiter mit dem Tool

  • K3-Blatt kalkulieren: Erstellt K3-Blätter, die die Konsistenzregeln von vornherein einhalten; Export als PDF für die Angebotsabgabe. Preis: € 24,90 je K3-Blatt zzgl. USt.
  • K3-Blatt prüfen (Quick-Check): K3-Blätter kostenlos auf Rechenfehler und Plausibilität prüfen, mit Ampelbewertung je Zeile.