Mittellohnpreis berechnen: Rechenweg Schritt für Schritt
Der Mittellohnpreis ist der durchschnittliche Preis einer produktiven Arbeitsstunde einer Partie, inklusive aller Nebenkosten, Gemeinkosten und des Gesamtzuschlags. Er wird im K3-Blatt nach ÖNORM B 2061:2020 ermittelt und ist die Grundlage für den Lohnanteil jeder Position. Diese Seite zeigt den Rechenweg in der Reihenfolge der Zeilen und rechnet ihn für ein Bauprojekt 2026 durch. Den Aufbau des Formblatts selbst finden Sie unter Was ist ein K3-Blatt?.
Ausgangsdaten des Beispiels
- Kollektivvertrag Bauindustrie und Baugewerbe (Arbeiter), Fassung 01.05.2026, KV-Wochenarbeitszeit 39 Std
- Partie: 1 Vorarbeiter IIa (21,96 €), 3 Facharbeiter IIb (19,99 €), 2 Bauhilfsarbeiter IV (17,03 €)
- Kalkulierte Wochenarbeitszeit 40 Std, davon 1 Überstunde mit 50 % Zuschlag
- Betriebssitz Steiermark, Betrieb unterliegt dem BUAG
- Gesamtzuschlag laut K2-Blatt 25,51 % (Herleitung unter K2-Blatt und Gesamtzuschlag)
Schritt 1: Gewichtetes KV-Entgelt (Zeilen 1 bis 3)
Jede Beschäftigungsgruppe geht mit ihrem Anteil an der Partie ein. Bei sechs Personen sind das 16,67 % für den Vorarbeiter, 50 % für die Facharbeiter und 33,33 % für die Hilfsarbeiter.
B3 = (21,96 + 3 x 19,99 + 2 x 17,03) / 6 = 19,33 €
Der KV-Lohn ist ein Mindestwert. Ein niedrigerer Ansatz oder ein Wert aus einer alten KV-Fassung ist kalkulatorisches Lohndumping und kann zum Ausscheiden des Angebots führen.
Schritt 2: Unproduktive Zeiten (Zeile 4, % auf B3)
Hier werden projektbezogene, nicht erlösbringende Zeiten umgelegt: der dispositive Anteil des Vorarbeiters, Wartezeiten aus dem Bauablauf, Produktivitätsverluste durch Verkehr oder Anrainer. Betriebliche Ausfallzeiten wie Schulungen gehören nicht hierher, sondern in die UPNK.
Entscheidend ist die Bezugsbasis: Der Prozentsatz in Zeile 4 ist auf die produktive Arbeitszeit bezogen, weil B3 je produktiver Stunde gilt und die unproduktiven Stunden auf diese umgelegt werden. Im Beispiel sind 6 % angesetzt, gemessen an der produktiven Zeit: Auf 100 produktive Stunden kommen 6 unproduktive, also 106 bezahlte Stunden.
Wird der Anteil dagegen an der gesamten bezahlten Zeit erhoben (etwa aus Stundenaufzeichnungen: 6 von 100 bezahlten Stunden sind unproduktiv), ist er vor dem Eintrag umzubasieren:
Anteil auf produktive Zeit = Anteil an Gesamtzeit / (1 - Anteil an Gesamtzeit) = 6 % / 94 % = 6,38 %
Umgekehrt entsprechen die 6 % des Beispiels 6 / 106 = 5,66 % der gesamten bezahlten Zeit. Wer die Umbasierung vergisst, setzt Zeile 4 zu niedrig an.
B4 = 19,33 x 6 % = 1,16 € und B5 = 20,49 €
Schritt 3: Überzahlung (Zeile 6, % auf B5)
Das außerkollektivvertragliche Entgelt ist die betriebsübliche, freiwillige Überzahlung. Sie enthält keine Zulagen, keine Zuschläge und kein Taggeld. Die Werte liefert die Lohnverrechnung. Im Beispiel liegt die gewichtete Überzahlung bei rund 7,5 % (10 % in den Gruppen I bis IIb, 3 % bei Hilfsarbeitern).
B6 = 20,49 x 7,5 % = 1,54 €
Schritt 4: Zulagen (Zeile 7, % oder € auf B5)
Der KV sieht für bestimmte Tätigkeiten Zulagen vor, etwa für Aufsicht, Arbeiten unter Tag, Künetten oder Schmutz. Statt der Einzelzulagen kann die Zulagenpauschale angesetzt werden. Im Beispiel gilt die große Zulagenpauschale mit 0,37 €/Std für alle Beschäftigten.
B7 = 0,37 €
Schritt 5: Arbeitszeitzuschläge (Zeile 8, % oder € auf B5)
Mehrarbeit und Überstunden sind teurer als Normalstunden. Im Bau-KV wird der Überstundenzuschlag auf den um 20 % erhöhten KV-Stundenlohn berechnet. Die Zusatzkosten werden pro Woche ermittelt und auf die kalkulierte Wochenarbeitszeit verteilt.
Zuschlagskosten je Woche = 1 Std x 19,33 x 1,20 x 50 % = 11,60 € B8 = 11,60 / 40 Std = 0,29 €
Wichtig: Wer in Zeile 2 mit 39 Stunden kalkuliert, darf in Zeile 8 keine Überstunden ansetzen. Dieses Vorgehen wäre inkonsequent und kann bei einer Überprüfung zu Nachfragen führen.
Schritt 6: Aufwandsentschädigungen (Zeilen 9 und 11)
Weil die Baustelle nicht der ständige Betriebsstandort ist, stehen den Arbeitnehmern Taggeld, Wegzeitvergütung, Fahrtkosten oder Übernachtungsgeld zu. Entscheidend ist die Abgabenpflicht:
- Zeile 9 nimmt abgabepflichtige Teile auf (Wegzeit, der abgabepflichtige Rest des großen Taggelds über 30 €/Tag). Auf sie werden DPNK und UPNK aufgeschlagen.
- Zeile 11 nimmt abgabefreie Teile auf. Sie bleiben ohne Nebenkosten.
Im Beispiel fällt das kleine Taggeld mit 12,85 €/Tag an fünf Tagen an; es ist zur Gänze abgabefrei.
B9 = 0,00 €; B11 = 12,85 x 5 / 40 = 1,61 €
Schritt 7: Abgabepflichtige Personalkosten (Zeile 10)
B10 = 20,49 + 1,54 + 0,37 + 0,29 + 0,00 = 22,69 €
Schritt 8: Direkte Personalnebenkosten (Zeile 12, % auf B10)
Die DPNK sind gesetzlich fixiert: Sozialversicherung, FLAF samt Dienstgeberzuschlag, Kommunalsteuer, Wohnbauförderung, Schlechtwetterbeitrag. Für einen BUAG-Betrieb in der Steiermark ergeben sich 2026 28,72 % (die Mitarbeitervorsorge entfällt, weil die Abfertigung über die BUAK läuft). Die Tabelle aller Bundesländer steht unter Personalnebenkosten.
B12 = 22,69 x 28,72 % = 6,52 €
Schritt 9: Umgelegte Personalnebenkosten (Zeile 13, % auf B10)
Die UPNK decken Feiertage, Krankenstand, betriebliche Ausfallzeiten, Weihnachtsgeld und die BUAG-Sachbereiche ab. Die Musterrechnung für das Bauhauptgewerbe 2026 ergibt 95,00 %, bezogen auf 39 Stunden und reines KV-Entgelt. Da im Beispiel mehr gearbeitet und mehr bezahlt wird, ist der Wert abzumindern:
- Mehrarbeitsfaktor MAF = 39 / 40 = 0,975
- Mehrlohnfaktor MLF = B5 / B10 = 20,49 / 22,69 = 0,903
- UPNK = 23,61 + 0 + 14,52 x 0,903 + 56,87 x 0,975 x 0,903 = 86,8 %
B13 = 22,69 x 86,8 % = 19,69 €
Schritt 10: Weitere Personalnebenkosten (Zeile 14)
Ortsabhängige Abgaben wie die Wiener U-Bahn-Steuer. Im Beispiel: 0,00 €.
Schritt 11: Personalkosten vor Zurechnungen und PGK (Zeilen 15 und 16)
B15 = 22,69 + 1,61 + 6,52 + 19,69 + 0,00 = 50,51 €
Zu den Personalgemeinkosten zählen nach ÖNORM B 2061 die Lohnverrechnung, Prämien für die Betriebshaftpflichtversicherung, Kosten für freiwillige Sozialleistungen, personenbezogene Nebenkosten (etwa Arbeitskleidung, Schutzausrüstung, Beistellung von Betriebsmitteln wie Handwerkzeug, Telefon, EDV oder PKW sowie Schulungskosten) und produktionsbezogene Nebenkosten (etwa Kleingeräte, Kleingerüste, Werkzeuge oder Nebenmaterialien). Im Beispiel: 12 % auf B15.
B16 = 50,51 x 12 % = 6,06 € und B18 = 56,57 €
Umlagen in Spalte A (Zeile 17) fallen keine an, weil das Leistungsverzeichnis eigene Positionen für Baustellengemeinkosten enthält. Damit sind B18 und B19 identisch: die Mittellohnkosten betragen 56,57 €/Std.
Schritt 12: Gesamtzuschlag und Mittellohnpreis (Zeilen 20 bis 22)
B20 = 56,57 x 25,51 % = 14,43 € B22 = 56,57 + 14,43 = 71,00 €/Std
Das Ergebnis im Überblick
| Zeile | Bezeichnung | Ansatz | Betrag |
|---|---|---|---|
| 3 | Gewichtetes KV-Entgelt | 19,33 € | |
| 4 | Unproduktive Zeiten | 6 % auf B3 | 1,16 € |
| 5 | KV-Entgelt inkl. unprod. Zeiten | 20,49 € | |
| 6 | Überzahlung | 7,5 % auf B5 | 1,54 € |
| 7 | Zulagen | Pauschale | 0,37 € |
| 8 | Arbeitszeitzuschläge | 1 ÜStd/Wo | 0,29 € |
| 10 | Abgabepflichtige Personalkosten | 22,69 € | |
| 11 | Taggeld abgabefrei | 12,85 €/Tag | 1,61 € |
| 12 | DPNK | 28,72 % auf B10 | 6,52 € |
| 13 | UPNK | 86,8 % auf B10 | 19,69 € |
| 15 | Personalkosten vor Zurechnungen | 50,51 € | |
| 16 | PGK | 12 % auf B15 | 6,06 € |
| 18/19 | Mittellohnkosten | 56,57 € | |
| 20 | Gesamtzuschlag | 25,51 % auf B18 | 14,43 € |
| 22 | Mittellohnpreis | 71,00 € |
Vom KV-Entgelt bis zum Mittellohnpreis ergibt sich damit ein Faktor von rund 3,7. Diese Größenordnung ist im Bauhauptgewerbe typisch; im Metallgewerbe ohne BUAG ist dieser Faktor aufgrund geringerer PNK etwas niedriger.
Häufige Stolpersteine im Rechenweg
- Prozentbasis vertauscht: Zeile 4 auf B3, Zeilen 6 bis 8 auf B5, Zeilen 12 bis 14 auf B10, Zeile 16 auf B15.
- UPNK aus der Musterrechnung ungekürzt übernommen, obwohl Überstunden und Überzahlung kalkuliert sind.
- Das große Taggeld (34,20 €) nicht in abgabefrei (30,00 €) und abgabepflichtig (4,20 €) geteilt.
- Angestellte der Bauleitung in Zeile 4 umgelegt statt in Zeile 17 oder im K2-Blatt.
Weiter mit dem Tool
- K3-Blatt kalkulieren: Der gesamte Rechenweg läuft automatisch, inklusive UPNK-Anpassung mit MAF und MLF und Export als PDF. Preis: € 24,90 je K3-Blatt zzgl. USt.
- K3-Blatt prüfen (Quick-Check): K3-Blätter kostenlos auf Rechen- und Plausibilitätsfehler prüfen.